Was ist Mental Load?
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Mental Load heisst auf Deutsch «mentale Last». Gemeint ist die unsichtbare Denk- und Organisationsarbeit im Alltag. Wer sie trägt, denkt an Termine und an die Bedürfnisse anderer, auch wenn am Ende jemand anderes die Aufgabe erledigt.
Wie lässt sich Mental Load erklären?
Ein Beispiel: Morgen ist Turntag. Jemand muss wissen, dass morgen Turntag ist. Jemand muss merken, dass die Turnsachen noch in der Wäsche liegen. Wenn dein Partner am Morgen die Tasche packt, hat er die Aufgabe erledigt. Dass sie überhaupt auf dem Radar war, hat jemand anderes geleistet.
Mental Load ist also nicht die Tätigkeit selbst. Es ist das Vorausdenken und Nachhalten rund um die Tätigkeit.
Aus welchen Teilen besteht Mental Load?
Die Soziologin Allison Daminger beschreibt in einer Studie von 2019 vier Teile kognitiver Haushaltsarbeit:
- Bedarf vorhersehen. Du merkst, dass etwas gebraucht wird oder ansteht.
- Optionen finden. Du überlegst, wie sich der Bedarf decken lässt.
- Entscheiden. Du wählst eine Option.
- Nachhalten. Du prüfst, ob es geklappt hat.
In ihren Interviews mit 35 Paaren fand Daminger, dass Frauen mehr dieser Denkarbeit übernehmen, vor allem beim Vorhersehen und beim Nachhalten. Beim Entscheiden waren beide Partner etwa gleich beteiligt.
Der Mental-Load-Test fragt genau nach dieser Trennung: Wer macht eine Aufgabe, und wer denkt daran?
Woher kommt der Begriff?
Die französische Soziologin Monique Haicault führte 1984 den Begriff «charge mentale» ein. Sie beschrieb damit die psychische Belastung berufstätiger Mütter, die verschiedene Zeiten und Räume aufeinander abstimmen müssen. 2017 ging der Comic «Fallait demander» der Zeichnerin Emma viral. Der Begriff «Mental Load» ist inzwischen auch im deutschsprachigen Raum geläufig.
Ist Mental Load dasselbe wie Hausarbeit?
Nein. Hausarbeit ist das Tun, Mental Load ist das Denken davor und danach. Man kann jede Aufgabe im Haushalt gleich verteilen und die Denkarbeit trotzdem sehr ungleich tragen. Wer immer nur fragt «Was soll ich machen?», lässt die Planung beim anderen.
Betrifft Mental Load nur Frauen?
Nein. In vielen Paaren trägt aber die Frau den grösseren Teil. Das zeigt Damingers Studie, und auch die Zeitverwendung in der Schweiz weist in diese Richtung. Die Zahlen stehen im Beitrag Unbezahlte Arbeit in der Schweiz. In anderen Konstellationen kann es genauso ausgeglichen oder umgekehrt sein.
Woran erkenne ich, dass ich viel Mental Load trage?
- Du führst im Kopf eine Liste, die niemand sonst kennt.
- Dein Gegenüber fragt «Was soll ich tun?», statt selbst zu sehen, was ansteht.
- Du fühlst dich auch an freien Tagen nicht frei, weil du schon an den nächsten Termin denkst.
- Du hast das Gefühl, alles zu merken und dafür wenig Dank zu bekommen.
Wie viel es bei euch ist, siehst du im Mental-Load-Test.
Quellen
- Allison Daminger: The Cognitive Dimension of Household Labor, American Sociological Review 84 (4), 2019
- Université Paris Cité, CERILAC: Hinweis auf Monique Haicault und die «charge mentale» (1984)
- TelQuel: «Fallait demander», la BD virale (2017)
In 4 bis 7 Minuten siehst du, wer bei euch woran denkt.
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